Rio de Janeiro – Schon als Schüler klebte Philipp Buhl Aufkleber von Brasiliens Segel-Idol Robert Scheidt in seine Hefte. Später studierte der Allgäuer den Südamerikaner mit deutschem Großvater bei Regatten über Stunden, um von ihm zu lernen. Nun fordert er ihn heraus.

Während der 26-jährige Vizeweltmeister Buhl seine Olympia-Premiere absolviert, hofft der 43-jährige Doppel-Olympiasieger Scheidt in Rios Guanabara-Bucht auf eine goldene Abschieds-Gala. Mit zwei Olympiasiegen 1996 und 2004 sowie neun WM-Titeln gilt Scheidt als «König der Lasersegler». Mit zwei weiteren Silbermedaillen und einmal Bronze kann der Brasilianer, der bei der Eröffnungsfeier den Eid der Athleten gesprochen hat, beim sechsten Olympiastart das sechste Edelmetall gewinnen.

Von solchen Erfolgen träumt Sportsoldat Buhl aus Sonthofen. Er zählt zu den jüngsten Steuerleuten im Feld der 46 Lasersegler. Nach knapp verlorener Olympia-Ausscheidung 2012 gegen Simon Grotelüschen, der bei Olympia Sechster wurde, ging sein Stern auf. Zweimal zu Deutschlands Segler des Jahres gewählt, gewann er 2014 WM-Bronze und 2015 WM-Silber.

In Deutschland ist er eine Klasse für sich. Jetzt startet der naturverbundene Athlet nach zwei Weltcup-Siegen als Weltranglisten-Erster in die Olympia-Regatta. Bei der WM und EM in diesem Jahr hat er als jeweils Achter aber auch kleine Dämpfer hinnehmen müssen.

Selbstbewusst gibt sich Buhl trotzdem. Er sagt vor seiner Olympia-Premiere, die Scheidt schon vor zwei Jahrzehnten erlebte: «Ich habe neun Segler für eine Medaille auf meiner Liste. Robert Scheidt steht da weit oben. Ich zähle auch dazu.»

Der Brasilianer seinerseits, dessen Frau Gintare Scheidt im Laser Radial um ihre zweite Olympia-Medaille kämpft, gab zu Protokoll: «Ich habe nicht mehr die Dominanz von einst, will aber eine Medaille und habe dafür alles getan.»

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(dpa)